Eins meiner ersten Räder, das erste, an das ich mich noch bewusst erinnere, sah so aus. Grün-metallic, weißer Sattel. Vorher gab es ein kleineres rotes, auf dem mein Bruder und ich das Radfahren lernten. Mein Vater hielt den Sattel und rannte mit, irgendwann ließ er los und ich fuhr weiter. Mal fiel ich hin, aber ziemlich schnell ging es. Loslassen ist wichtig, das lernte ich ziemlich schnell, sonst lernt man nichts.
Mit dem Bonanzarad begann auch das Schrauben. An meins musste eine hohe Stütze hinten an den Sattel und ganz oben kam ein Fuchsschwanz dran.
Eine Dreigangschaltung hatte es, wie die hier im Bild. Damit zu fahren, war gleichwohl kein Vergnügen. Das Rad war so schwer, dass ich es als Knirps nur mit Mühe die Kellertreppe herauf bekam und auf den bergauf und bergab führenden Straßen meiner Heimatstadt wurde es nicht leichter. Aber es war bunt! Es glitzerte!
Danach kam mein erstes Rennrad, das ich kaum noch vor mir sehe. Es war golden (vielleicht auch nur gelb...) mit schwarzem Lenkerband und stammte von einem Supermarkt, den der mark793 noch kennt. Was daraus wurde, weiß ich nicht mehr. Dann kaufte ich mir ein metallic-blaues Rennrad mit Schlauchreifen, die man aufkleben musste, ich glaube, ein französischer Name stand drauf.
In meiner Kindheit litt ich darunter, dass ich so häufig Platten hatte. Ich hatte nur eine normale Luftpumpe und bekam damit natürlich nicht den benötigten Druck auf die Rennradreifen.
Mit dem Rennrad fuhr ich dann nach der Schule oft zur Mülldeponie. Dort gab es einen großen Berg mit Schrott und darauf landeten unzählige Räde. "Vintage" existierte damals nicht im Wortschatz, die Leute wollten das Neueste, keinen alten Plunder. Mit meiner Werkzeugausrüstung (Multifunktionsknochen aus weichem Gusseisen und Kombizange) zerlegte ich alles, was mir brauchbar schien. Ich nahm Rahmen mit und Gabeln, Bremsen, Räder, baute daraus die absonderlichsten Kombinationen. Aus einem kupfermetallicfarbenen Klapprad schuf ich einen "Chopper", indem ich zwei Gabeln zu einer machte. Damit kreuzte ich bei einem Schulwandertag auf und die Lehrer sorgten sich, ob das denn verkehrssicher sei. Als wäre "verkehrssicher" ein Attribut, das uns Jungs damals interessiert hätte.
Im Nu, die Veränderung kommen in diesem Alter ja blitzschnell, fuhr ich Mopeds. Die wurden auch verschlimmbessert und vor allem schneller gemacht. Mein blaues Rennrad jedoch behielt ich und fuhr damit auch noch herum.
Die Kindheit ist nicht immer schön. Aber mir scheint, es ist besser Kind zu sein, als erwachsen. Man schaut nicht zurück und man schaut auch nicht weit nach vorne. Keine Pläne (außer dem Erwerb eines Fuchsschwanzes), keine Zukunftssorgen. Keine Verantwortung, kein Räsonieren, erst recht keine Selbstgefälligkeit oder Selbstgerechtigkeit, vor denen man als Erwachsener stets auf der Hut sein muss. Der Horizont kleiner Kreuz- und anderer Buben ist stark auf das Jetzt begrenzt.
Bei einem Hund ist das ebenso. Er beschäftigt sich nicht damit oder grämt sich gar, was vor Jahren war, und er sinniert auch nicht, dass er in vier Wochen gerne einen Hasen hetzen und es im Alter von zehn Jahren gerne etwas ruhiger angehen lassen würde. Er lebt im Jetzt und nimmt die Dinge, wie sie kommen.
Heute gibt es leider kaum noch Schrottplätze wie damals. Das Internet liefert zwar alles, aber das ist nicht annähernd das Gleiche. Es ist suchmaschinenoptimierter Konsum, kein Erforschen, Erkunden, Entdecken, Erbeuten, mag man es auch so nennen. Was bleibt, ist das Schrauben, sind die Farben. Wem das beim Lesen dieses Blogs stets kindisch vorkam, der darf sich nun bestätigt fühlen.
Wir hatten keine Pferde, aber wir hatten immerhin Bonanzaräder.
Also ICH hatte kein Bonanzarad, *schnief*. Weil angeblich unpassend für ein Mädchen. Und da ich aus der unpassend-Kategorie sowieso dauernd Sachen angestellt habe, wollten meine Eltern da offenbar nicht noch verstärkend wirken. Bonanza gucken ging da schon eher, wenn ich mich auch dunkel an eine Sendezeit erinnere, deren letzten 15 Minuten mit der Tagesschau kollidierten. Die hatte natürlich Vorrang.
Kindsein ist für mich in erster Linie verbunden mit kannstnicht, darfstnicht, gehtnicht, lassdas, ruhejetzt. Weswegen ich eindeutig lieber erwachsen bin. Trotz Sorgen und zeitweiliger Räsonniererei.
Die Kindheit hatte unangenehme Begleiterscheinungen, die aber mit dem Kindsein nichts zu tun hatten. Dafür aber: Ferien! Und: Raus aus der Schule, Schulranzen in die Ecke und bis es dunkel wurde irgendwo herumstromern.
Das Kind im Manne. Ich finde es schön und wichtig, wenn man sich in dieser zweckoptimierten Welt davon etwas bewahrt.
Und yeah Bonanzarad, hatte ich auch eins. Ich war stolz wie Oskar auf das Teil und in meiner Phantasie stellte ich mir vor, wie ich mit diesem Rad bei einem Rennen allen weg fahren würde. Was natürlich vollkommen illusorisch war. Nicht nur wegen des Gewichts, auch die Sitzposition bei diesen Rädern war eine Katastrophe. Alleine die 2 Km ins Dorf hinunter und wieder zurück verursachten heftigste Schmerzen in den Oberschenkeln. Die taugten einfach nur zum cool am Straßenrand stehen und den Dicken markieren.
Was mich ein wenig schmunzeln lässt, ist die Farbe meines Rades, es war.... Rate mal.
Ich sehe mich ja kaum fahren damit. Vor meinem inneren Auge steht überwiegend das Rad als solches, und die Kellertreppe, die ich es hoch und runter schleppe.
Ah, ja...glitzer-grün mit weißer Sitzbank und, Obacht! weiße Schluppen in Schubkarrenformat. Das war mein erstes. Ich erinnere noch sehr gut, das ich mittags einen Radler der Tour de France die Arme hochrecken sah. Dann fuhr ich zum Kindergarten. Kurz vor dem Ziel, war das dann so wie mit moderner Kunst:
DAS kann ich auch!*
*Der von der Tour de France hatte aber keine Schürfwunden an den Knien und die Ellenbogen waren auch heile geblieben...
Ich hatte keins, war aber recht schnell mit meinem uncooleren Rad versöhnt, als der etwas dickliche Nachbarsjunge trotz 5-Gangschaltung an seinem Prestigebock bei unseren Wald- und Wiesentouren überhaupt nicht mitkam. Ich war bei einem eigenen Versuch damit ziemlich bestürzt, wie wenig geländegangig das Bonanzarad tatsächlich war, trotz seiner dicken Reifen und der Pseudo-Federgabel.
Hehe. Ging mir ganz ähnlich. Mein Klapprad, Fluch meiner frühen Jugend und so uncool wie sonstwas, habe ich wirklich nicht geliebt. Aber versägt habe ich sie damit alle! Naja. Fast. Einige aber doch. Ja! Vielleicht so 1-2. Aber egal. Klappräder mag ich jedenfalls bis heute nicht. Verstehe auch nicht, wie die wieder beliebt werden konnten. So ein Bonanzarad ist da doch schon eine ganz andere Liga.
wäre so ein Rad wohl kollabiert, denn so robust wie sie aussahen, waren die Dinger nicht.
@cut: Ich fühle mit Ihnen, meine Klapprad-Jahre währten allerdings nicht lange, dann fiel mir ein akzeptables 24''-Jugendrad zu und danach kam schon das ersehnte Zehngangrad.
wie sich geschmäcker doch ändern... früher fand ich die bonanza-räder doof. irgendwie unhandlich. unser nachbarsjunge hatte ein oranges und ich fand, er sah aus wie ein affe auf dem schleifstein, wenn er damit fuhr (so wie viele harley-fahrer heute *g*).
ich war super stolz auf ein knatsch-rotes klapprad mit namen 'dudu'. warum ich ein klapprad brauchte - keine ahnung. es wurde nie zusammen geklappt und irgendwohin mitgenommen. aber ich fand, man fuhr damit viel besser als mit dem bonanza-rad.
heute ist es umgekehr: bonanza-räder find ich cool - klappräder doof. aber ich kann nicht erklären, warum. (harleys mag ich aber weiterhin nicht.)
vielleicht liegt's an diesem song, den ich prima finde. :)
Einige Nachbarsjungen hatten Bonanza-Räder. Ich leider nicht. Wir hatten auch keinen chinesischen Koch. Den hatten die Nachbarsjungen aber auch nicht.
Dafür hatte ich als erster Windpocken. Immerhin.
Ja, das war dem bekannten rheinischen Frohsinn geschuldet. Immer halb voll, das Glas. Es fehlte nichts, man hatte was: "Der Heinz hat einen appen Arm*".
Hier, also im Armenhaus, hieß es auch der mit dem *abbm Arm*.
UNSER Heinz der nach einer Feier unbedingt den Tiger im Zoo streicheln wollte(das ging damals noch), mit rechts, gewann seine Wette, verlor den Arm und hieß fortan "Der Tigerbändiger". Und hatte später einen Dackel.
"Einen Deckel machen" - In der Kneipe Gastronomie anschreiben lassen.
Der Bierdeckel, auf dem die verköstigte Ware mittels Strichliste verzeichnet ist, wird mit dem Namen des Kostgängers versehen und in einem großen Raum gelagert, bis er irgendwann bezahlt ist. Ein Schuldschein, quasi.
Ja, das kenne ich noch. Aber heuet gibt es ja nicht mal mehr Bierdeckel. Wie lässt man bei diesen elektronischen Bestellungserfassungsgeräten anschreiben? Mit einer Deckel-App? In die cloud ausgelagert? Und wenn die einer hackt, weiß dann jeder, was ich trinke?